Donnerstag, 28. Juli 2016

Ferdinand von Reznicek


Einband eines bei Albert Langen 1907 erschienenen Buches 

Obwohl dem 1868 geborenen Österreicher Reznicek eine Offizierskarriere vorgezeichnet war, beendete er vorzeitig seine militärische Laufbahn, zog nach München, studierte an der dortigen Kunstakademie Malerei und wurde bald zu einem erfolgreichen Illustrator, der die bessere Gesellschaft der bayrischen Hauptstadt unter virtuoser Beherrschung seiner künstlerischen Mittel elegant und dabei durchaus mit leisem, hintergründigem Spott oder zumindest feiner Ironie zu porträtieren wusste. Reznicek, der auch Bücher und Notenhefte illustrierte sowie einige wenige Plakate gestaltete, wurde vor allem als Illustrator für den „Simplicissimus“ bekannt, wobei er sich durch seinen recht konventionellen Stil deutlich von anderen Illustratoren des Blattes abhob. Mit Rezniceks frühem Tod im Jahr 1909 verlor der Simplicissimus einen bei seiner Leserschaft überaus beliebten Zeichner.   

1906

1906

1908

Mittwoch, 27. Juli 2016

Chéri Hérouard


1917

Frühe „Herrenmagazine“ enthielten (erotische) Geschichten und weitere Beiträge von zumeist begrenzter literarischer Qualität, von der sich die Illustrationen oftmals abhoben. So finden sich beispielsweise ausdrucksvolle Arbeiten von Jeanne Mammen in Ausgaben von „Der Junggeselle“ oder Bilder Josef Fennekers in „Reigen“ und "Berliner Leben". Das erfolgreiche französische Flaggschiff unter den Zeitschriften mit „pikanten“ Inhalten „La Vie Parisienne“ zeigte durchweg gefällige Illustrationen von erstklassiger Qualität, die einen breiten Geschmack bedienten und den Erfolg der Zeitschrift bedingten. Chéri Hérouard (1881-1964) prägte dabei ihr Erscheinungsbild mehr als drei Jahrzehnte entscheidend mit.
Während Herouard für „La Vie Parisienne“ überaus geschickt mit erotischen Andeutungen spielte, ließ er unter dem Pseudonym „Herric“ weit weniger Zurückhaltung walten.


1917

La Vie Parisienne 1923




Montag, 25. Juli 2016

Paul Scheurich


Frontispiz und Titelblatt eines Buches von 1912

Paul Scheurich ist einer der bekanntesten Namen aus der großen Zeit der deutschen Plakatkunst in den Jahren vor dem ersten Weltkrieg. Darüber hinaus war der vielseitige Künstler in vielen künstlerischen und gebrauchsgrafischen Gebieten höchst erfolgreich, so machte sich der seit 1919 „nebenbei“ mit einer Professur an der Dresdner Kunstakademie lehrende Scheurich u.a. einen Namen als bedeutender Modelleur von Porzellanfiguren, war als Illustrator für Bücher und Zeitschriften tätig, gestaltete Banknoten, trat als Pionier animierter Werbefilme in Erscheinung und entwarf Kostüme, Bühnenvorhänge und -bilder, so auch für Max Reinhardt. Im NS-Staat hielt die Popularität Scheurichs, der bereits 1907 antisemitische Illustrationen für eine einschlägige Veröffentlichung angefertigt hatte, unvermindert an und er bekam öffentliche Aufträge für Skulpturen und Gemälde. Der 1883 in New York geborene Scheurich starb 1945.  



1930

Sektwerbung 1908

Mittwoch, 13. Juli 2016

Henry Mirande



Henry Mirande (1877-1955) zählte nicht zu den profiliertesten Erscheinungen unter den zahlreichen französischen Illustratoren und Karikaturisten der vorletzten Jahrhundertwende. Dabei verstand er es insbesondere nicht weniger eindringlich als viele seiner bekannteren Kollegen, die sozialen Missstände seiner Zeit offenzulegen. Mirande sah mit einem besonders warmherzigen Blick auf die Menschen am untersten Ende der sozialen Skala – oftmals mit einem Augenzwinkern, das dem Betrachter ein Lächeln entlockt, welches auf den zweiten Blick nicht selten im Halse strecken bleibt …
Mirande zeichnete für Journale wie Le Rire und L'Assiette au Beurre, daneben malte er, gestaltete Musiktitel und illustrierte Bücher.  






Samstag, 9. Juli 2016

Raphael Kirchner


Bucheinband 1908

Der 1875 in Wien geborene Raphael Kirchner schuf zahlreiche Illustrationen für Bücher und Zeitschriften, vor allem aber genossen seine weit verbreiten Bildpostkarten auch bei weniger kunstinteressierten Kreisen eine überaus große Beliebtheit, die ihn zu einem der bekanntesten Künstler der Belle Époque machte.
Kirchners in unvergleichlich zarter Manier erstellten sinnlichen Darstellungen schöner junger Frauen waren auch in den Vereinigten Staaten verbreitet und hatten dort großen Einfluss auf die Herausbildung der Pun-Up-Kunst.
Raphael Kirchner zog es wie so viele Künstler um 1900 nach Paris; mit Beginn des Krieges übersiedelte er nach New York, wo er schon drei Jahre später starb.

Buchtitel von 1919 unter Verwendung einer Illustration Kirchners

Buchtitel 1916

La Vie Parisienne September 1913


Freitag, 8. Juli 2016

Hans Christiansen


August 1897

Dass Hans Christiansen heute als einer der bedeutendsten deutschen Jugendstil-Künstler gilt, liegt nicht zuletzt daran, dass der seinerzeit in Paris tätige Maler, Illustrator und Kunstgewerbler die Aufmerksamkeit des Großherzogs Ernst Ludwig von Hessen erregte und 1899 an dessen späterhin weit berühmte Darmstädter Künstlerkolonie berufen wurde, wo er sich frei von finanziellen Sorgen künstlerisch vervollkommnen konnte.
Der 1866 in Flensburg geborene Kaufmannssohn Christiansen lernte in seiner Heimatstadt zunächst das Handwerk des Dekorationsmalers und arbeitete als solcher in Hamburg. Sein besonderes Talent wurde rasch erkannt und Christiansen unternahm  nach seinem Studium an der Münchner Kunstgewerbeschule als Fachschullehrer in Hamburg teils als Stipendiat der Hamburger Gewerbekammer zahlreiche Reisen, die ihn künstlerisch weiterentwickeln sollten.
Christiansen entwickelte einen eigenen reduzierten, durchkomponierten und auf der Wirkung von perfekten Farbkompositionen und schwungvollen Linien basierenden, zumeist vordergründig dekorativen „Jugend-Stil“. Wie so viele Jugendstil-Künstler sah er sich als „Kunst-Handwerker“ dessen Kunst möglichst viele Bereiche durchdringen sollte. Christiansen arbeitete als Maler, er illustrierte Bücher und Zeitschriften, gestaltete Plakate, arbeitete als Architekt und Raumausstatter und entwarf Keramik, Teppiche, Möbel, Mode, Schmuck, Kunstverglasungen und vieles mehr. Christiansen, der nach seiner Abkehr vom Jugendstil vornehmlich als weit weniger beachteter Maler arbeitete, starb 1945.

Titel einer Ausgabe der "Jugend" von 1898


... ein weiterer Titel dieses Jahrgangs

Bucheinband von 1909

Donnerstag, 7. Juli 2016

Franz Stassen


Buchvorsatz 1906

Franz Stassen, von Hause aus Maler, erlangte vor allem durch seine kunsthandwerklich hochwertigen und sehr aufwändigen Buchillustrationen recht große Popularität, wobei er in der Regel Bücher illustrierte, die seiner völkisch-nationalen Gesinnung oder seinen mythologischen, esoterischen Interessen entsprachen. Seine oftmals ausgesprochen pathetischen Motive gestaltete Stassen zu Beginn des Jahrhunderts mit Stilmitteln des damals populären Jugendstils, ohne ein originärer Vertreter dieser Kunstrichtung gewesen zu sein.
Der 1869 geborene Stassen trat 1930 der NSDAP bei, erhielt 1939 einen Professorentitel und wurde 1944 in Hitlers „Gottbegnadeten Liste“ der „wichtigsten deutschen Künstler“ aufgenommen. Franz Stassen starb vier Jahre nach Ende des Krieges.

Titelblatt des obigen Buches

Titelblatt 1906

Buchillustration 1905

Dienstag, 5. Juli 2016

Artur Scheiner


Pate Droßelmeier, Buchillustration um 1928

Der böhmische Maler Artur oder auch Artus Scheiner (1863-1938) machte sich in erster Linie als hervorragender Buchillustrator einen Namen, wobei seine Arbeiten verschiedene Stile seiner Zeit widerspiegeln, darunter den Spätimpressionismus, den „Wiener Jugendstil“ oder auch den Symbolismus. Letzterer zeigt sich naheliegenderweise nicht zuletzt in vielen seiner Illustrationen zu Märchen und Phantastischer Literatur.
Einem breiten Publikum wurde Scheiner durch seine kindgemäß einfachen gehaltenen Bilder in populären Kinderbüchern bekannt, so illustrierte er in den 1930er Jahren u.a. Bände der „Pucki“-Reihe.
Vor ganz anderer Art wiederum sind seine atmosphärisch dichten und sehr virtuosen Gouachen zu Achille Segards erotischer Reihe „Die sieben Todsünden“ (um 1905):


Frontispiz eines Buches der Reihe

Anfang des 20. Jahrhunderts zählte Scheiner zu den Zeichnern der
"Lustigen Blätter" und stellte hierbei u.a. sein Talent als
wandlungsfähiger Karikaturist unter Beweis. (1901)

Sonntag, 26. Juni 2016

Abel Faivre


Juristen, Geistliche und Ärzte standen immer wieder im Focus
satirischer Illustrationen.
Abel Faivre hatte es besonders auf Letztere abgesehen. 

Auch  der 1867 geborene Abel Faivre begann als Maler. Während viele seiner Malereien deutlich den Einfluss seines Lehrmeisters Renoir erkennen lassen, weisen seine Zeichnungen für satirische Magazine einen ganz anderen, derben Duktus auf.   
Wie so viele seiner Kollegen hielt er als Karikaturist dem (Klein-)Bürgertum seiner Zeit den Spiegel vor – insbesondere schamlosen, wollüstige Männern und Frauen reiferen Alters. „Er war lange Zeit einer der besten Schüler Renoirs und malte ausgezeichnete, harmonische Porträts, (…). Es erscheint uns ganz natürlich, daß ein Künstler, der sich für die Schönheit leidenschaftlich begeistert, die Häßlichkeit verabscheut. Diese Häßlichkeit hat Abel Faivre in zahlreichen Karikaturen zum Ausdruck gebracht.“ (Gustave Kahn 1907)
Abel Faivre, der auch als Plakatgestalter erfolgreich war, starb 1945.

1900

1900

Le Rire 1901


Montag, 20. Juni 2016

Fritz Hass



Fritz Hass war ein weiterer der zahlreichen an der Münchner Kunstakademie ausgebildeten Illustratoren. Mit seinen humoristischen Arbeiten für Ansichtskarten und Zeitschriften, insbesondere die „Meggendorfer Blätter“, erlangte der 1864 geborene Künstler, der sich in erster Linie als Kunstmaler verstand und auch als Fotograf arbeitete, zwischenzeitlich einige Popularität. 
Unter dem Einfluss der Anthroposophie wandte sich Hass wieder ausschließlich der Malerei zu, wobei sein Stil sich vollends vom Naturalismus zu einem weitgehend gegenstandslosen, von Visionen bestimmten und Steiners wirre Gedankenwelt illustrierenden Stil wandelte. Fritz Hass starb 1930.



alle 1910


Sonntag, 12. Juni 2016

Franz von Bayros


Bucheinband 1913

Der „Marquis de Bayros“ (1866-1924) arbeitete seit Beginn des Jahrhunderts als Buchillustrator und machte sich als solcher rasch einen Namen.
Bald wandte er sich zudem verstärkt der erotischen Kunst zu und seine ausgesprochen frivolen Zeichnungen fanden enormen Zuspruch unter Liebhabern solcherart „pikanter“ Illustrationen – bescherten ihm aber auch große Probleme mit den Zensurbehörden.
Der hervorragende Zeichner Bayros, der nicht nur wegen seiner erotischen Sujets mitunter mit Aubrey Beardsley verglichen wurde, signierte einige seiner besonders „anstößigen“ Werke unter dem Pseudonym „Choisy Le Conin“.

Lustige Blätter 1914

Werbung im Simplicissimus 1911

Frontispiz einer 1911 erschienenen Ausgabe der Memoiren Casanovas

Mittwoch, 1. Juni 2016

René Georges Hermann-Paul


1900

In Bezug auf die vielen hervorragenden französischen Karikaturisten um die vorletzte Jahrhundertwende sind die geistreichen Betrachtungen des 1859 in Metz geborenen Schriftstellers Gustave Kahn unverzichtbare, mit großem Gewinn zu lesende Quellen.*
Kahn kannte sich wie kein anderer in der Materie aus und wusste seine treffenden Analysen nicht zuletzt in sprachlich beeindruckender Weise niederzuschreiben – seine hier bereits zitierten Aussagen zu Gustave Jossot stellen dies besonders eindringlich unter Beweis. Hermann-Paul (1864-1940), ebenfalls ein spöttischer Kritiker der Bourgeoise, sieht er „mit Jossot eng verwandt“, doch sei bei Hermann-Paul die „Entstellung“ in der Aussage zwar „schonungslos“, ihre Darstellung jedoch weitaus subtiler.
In der Rückschau hinkt dieser Vergleich allerdings in vielerlei Hinsicht. Insbesondere die späteren Lebensläufe offenbaren grundlegende Unterschiede zwischen dem Anarchisten, Pazifisten und zuletzt frustrierten Skeptiker Jossot und dem kriegsbegeisterten Hermann-Paul, der sich nach dem ersten Weltkrieg rechtsgerichteten, nationalistischen Kreisen zuwandte.   

* Das Weib in der Karikatur Frankreichs. Stuttgart 1907
   Europas Fürsten im Sittenspiegel der Karikatur. Berlin 1908

1900

1899

L'Assiette au Beurre 2.5.1901

Dienstag, 31. Mai 2016

Olaf Gulbransson


Bucheinband 1928 (In der Gedichtsammlung "Allerdings"
widmete Ringelnatz dem populären Zeichner ein Gedicht.)

Der 1873 geborene Norweger Olaf Gulbransson zählte zu den angesehensten Illustratoren im Deutschland der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er verkehrte in bedeutenden Künstlerkreisen und  trat 1929 sogar die Nachfolge Franz von Stucks an der Münchner Kunstakademie an. Gulbranssons mit "holbeinisch reinem Strich" (Korfiz Holm) ausgeführten Zeichnungen prägten neben den Arbeiten Thomas Heines das Erscheinungsbild des Simplicissimus über Jahrzehnte.
Seine höchst aufschlussreichen Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend in Norwegen veröffentlichte Gulbranson 1934 in einem wunderbar gestalteten, mit vielen Zeichnungen versehenen Band unter dem Titel "Es war einmal" im Münchner Piper-Verlag.
Der herausragende Künstler Gulbranson war zeitlebens politisch überaus „wandlungsfähig“. So schuf er vor der Machtübernahme im Simplicissimus Karikaturen, die die NSDAP und ihre Funktionäre zum Gegenstand hatten, während er sich danach den neuen Machthabern gegenüber völlig opportun verhielt. Seiner Anerkennung auch nach dem Krieg tat dies keinen Abbruch. Gulbransson starb als geachteter Künstler 1958 in seinem Domizil am Tegernsee.

1913

ZickZack 1913

Werbung für "Faber-Castell" 1911