Mittwoch, 16. Februar 2022

Rüdiger Berlit *

 
Titelblatt der Zeitschrift „Die Aktion“ (1919)

Der in Leipzig geborene und gestorbene Maler und Grafiker Rüdiger Berlit (1883-1939) ist der
bekannteste Vertreter des Expressionismus in seiner Heimatstadt. Diesem Stil wendete er sich schon bald nach seiner künstlerischen Ausbildung in Leipzig und München etwa ab 1915 zu. Während des ersten Weltkriegs kam Berlit mit sozialistischen Ideen in Berührung und engagierte sich fortan in diesem Bereich. 
Die linke Zeitschrift „Die Aktion“ verhalf dem Expressionismus zum Durchbruch in Deutschland und veröffentlichte zwischen 1919 und 1928 einige Holzschnitte von Berlit. 1919 wurde ihm sogar ein Sonderheft gewidmet. 1924 illustrierte er mit fünf Holzschnitten Bruno Vogels Buch „Es lebe der Krieg!“, eines der ersten, bedeutendsten und heute noch lesenswerten Antikriegsbücher nach dem ersten Weltkrieg. Unter dem Deckmantel der Gotteslästerung und der Verbreitung unzüchtiger Schriften wurde 1925 ein Prozess gegen den Verleger, den Autor und den Illustrator angestrengt, der erst vier Jahre und mehrere Instanzen später endete. Schlussendlich musste nur der Verleger Arthur Wolf eine geringe Geldstrafe zahlen, während Berlit und Vogel freigesprochen wurden. In den zensierten Folgeauflagen fehlen zwei Episoden des Buches und ein Holzschnitt von Berlit. 
Wenige Jahre vor seinem Tod war Berlit noch an der letzten Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes beteiligt, die allerdings wenige Tage nach ihrer Eröffnung vom Nazi-Regime zwangsgeschlossen wurde.

Umschlagtitel zu Bruno Vogels „Es lebe der Krieg!“
 (unzensierte Erstausgabe von 1924)

Zensierter Holzschnitt aus „Es lebe der Krieg!“ (1924)


* Gastbeitrag - Text und Abbildungen von Matthias Hageböck, Weimar