Dienstag, 7. Dezember 2021

Pierre Brissaud

 
1932

Pierre Brissaud (1885-1964) war an der Pariser École des Beaux-Arts Kommilitone von André Marty, Georges Lepape und anderen Vertretern eines typisch französischen Stils „charmanter“, farbenfroher Illustrationen des Art déco, der die Künstler nicht zuletzt als Modezeichner bzw. Kostümentwerfer prädestinierte. Andere gebrauchsgrafische Tätigkeitsbereiche waren die Werbung sowie Zeitschriften- und Buchillustrationen. Brissaud beispielsweise bebilderte u.a. Kinderbücher, aber auch Werke von Anatole de France, Balzac, Prévost oder Flaubert. Häufig zierten seine Entwürfe darüber hinaus die Programmhefte Pariser Boulevard-Theater.   

Illustration aus "Les Malheurs de Sophie" (The Studio Vol.92, 1926)

Programmcover 1919

Programmcover 1920

Montag, 29. November 2021

Hans Volkert

 
2. Aufl., München 1925

Der 1878 in Erlangen geborene und in Hamburg aufgewachsene Hans Volkert interessierte sich schon früh für verschiedenartigste grafische Tätigkeiten.
Volkert genoss eine sehr vielseitige kunsthandwerkliche Ausbildung. Bereits in jungen Jahren assistierte er einem Schildermaler, später machte Volkert eine Lithografenlehre.
Weitere künstlerische Techniken eignete er sich bei verschiedenen Lehrern an, 1901 begann Hans Volkert schließlich auch eine akademische Ausbildung an der Münchner Kunsthochschule, die er aber nicht abschloss.
Volkert, der als Berufsbezeichnung „Kunstmaler“ angab, arbeitete fortan vor allem als Zeichenlehrer und (Gebrauchs-)Grafiker, wobei Illustrationen für diverse Publikationen im Vordergrund standen. Daneben entstanden aber u.a. auch eigene Grafikmappen.
1945 nahm sich der Hitler-Verehrer das Leben.

Abbildung aus obigem Titel

Hans Volkert ist heute für seine zahlreichen Exlibris bekannt.
 (The Studio Vol.34, 1905)


Textquelle: Evelyn Dünstl-Walter: Hans Volkert. Bekannt – Unbekannt. (https://www.exlibris-deg.de/wp-content/uploads/2020/05/DEG-Jahrbuch-2016-D%C3%BCnstl-Walter-Hans-Volkert.pdf)

Freitag, 26. November 2021

Otto Wirsching

 
1916 - Einbandillustration

Der früh verstorbene Otto Wirsching (1889-1919) zählte zu den vielen Absolventen der Münchner Kunstakademie unter den Illustratoren bzw. Gebrauchsgrafikern in den ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts. Er war zwar auch als Maler tätig, den Schwerpunkt seines Schaffens bildete jedoch die Grafik, wobei der Holzschnitt im Vordergrund stand. Sein Hauptwerk ist die Mappe „Vom Totentanz“ aus dem Jahr 1915. Die dort enthaltenen Holzschnitte im Stil entsprechender Illustrationen aus dem Mittelalter und der Frührenaissance stellen nicht zuletzt durch die oftmalige Verbindung mittelalterlicher und zeitaktueller Motive eine bedrückende Anklage gegen den Krieg dar.
Als Gebrauchsgrafiker gestaltete Otto Wirsching vor allem Exlibris und stattete Bücher des „Einhorn-Verlages“ in Dachau aus, wo das Ehepaar Wirsching auch wohnte und bedeutender Teil der dortigen Künstlerkolonie war.     

Einbandillustration (o.J.)

Frontispiz und Titelblatt

Illustration aus einer Werbeanzeige für erwähnte Mappe
in einer Publikation von 1917 

Montag, 22. November 2021

Max Liebert

 
Berlin 1912

Die wenigen Zeugnisse seines Schaffens legen nahe, dass dem früh verstorbenen Maler und Illustrator Max Liebert eine erfolgreiche Karriere beschieden gewesen wäre.
Über den im ersten Weltkrieg gefallenen Künstler ist wenig bekannt. Liebert stammte aus Rawitsch und zog vermutlich Anfang der Jahrhunderts nach Düsseldorf, um an der seinerzeit hoch angesehenen Kunsthochschule Malerei zu studieren. In Düsseldorf war Liebert dann vor allem als Illustrator tätig, u.a. gestaltete er einige Bücher des Berliner Ullstein-Verlags. Mit dem zeitgleich in Düsseldorf wirkenden Maler Edwin Charles Mackinnon Liebert bestanden offensichtlich keine verwandtschaftlichen Beziehungen.

Die Woche für die deutsche Jugend, Berlin 1906

Buchumschlag - Das Plakat, September 1919, S.329

Illustration aus "Aladdin"

Mit bestem Dank an Frau Christa Lippold für ihre freundlichen Informationen über den Cousin ihres Großvaters.

Mittwoch, 17. November 2021

Piero Bernardini


1928
 
Viele der herausragenden Gebrauchsgrafiker der ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts stammten aus Italien, wobei neben Berühmtheiten wie etwa Garretto, Terzi oder Dudovich in der zweiten und dritten Reihe zahlreiche Illustratoren tätig waren, die heute weitgehend vergessen sind.
Der Maler und Illustrator Piero Bernardini (1891-1974) war einer dieser Künstler. Neben seiner Arbeit als Werbegrafiker war Bernardini vor allem als Buch- und Zeitschriftenillustrator tätig, wobei er im Laufe der Zeit zunehmend auf einfache Formen bzw. Linienführung setzte und einen Stil entwickelte, der nicht zuletzt seine einprägsamen, originellen Kinderbuchillustrationen wie die zu „Pinocchio“ oder auch seine Cartoons späterer Jahre bestimmte.  

1929

Mailand 1927 - Schutzumschlag

La Lettura, April 1924

Flora Klee-Palyi


Einbandgestaltung des nachfolgenden Titels aus dem Jahr 1920
 
Die 1883 in Budapest geborene Flora Palyi lebte nach ihrem Studium an verschiedenen europäischen Kunsthochschulen einige Zeit in Paris. Nach Ihrer Heirat zog sie mit Ihrem Mann Mitte der 1920er Jahre nach Wuppertal, wo die gesundheitlich schwer angeschlagene Theresienstadt-Überlebende 1961 verstarb. Die jüdische Künstlerin bevorzugte als Illustratorin vor allem Linol- und Holzschnitte. Flora Palyi machte sich auch als Übersetzerin und Herausgeberin französischer Dichtkunst einen Namen, so übersetzte sie beispielsweise Werke von Apollinaire, Baudelaire und Paul Verlaine. Vom Deutschen ins Französische übertrug sie in den 1930er Jahren u.a. eine mehrmals aufgelegte Ausgabe von Kleists „Über das Marionettentheater“.

Frontispiz und Titelblatt (1920)

Illustration aus "Der geheimnisvolle Stiefel" von M. M. Thackeray, dt. München 1925


Mittwoch, 10. November 2021

Jean-Louis Forain


Wie viele seiner Kollegen beschäftigte sich Forain immer wieder mit der Situation von Frauen 

aus der Unterschicht,  wie hier der Dienstmädchen. Die Zeichnung trägt die Unterschrift 
„Noch keine Ruhe“. (Eduard Fuchs: Die Frau in der Karikatur. München 1907, S.390)

Während sich der 1852 in Reims geborene Jean-Louis Forain weitgehend erfolglos um Anerkennung als Maler bemühte und nach dem Krieg bis zu seinem Tod 1931 vorrangig als solcher tätig war, erlangte er als Urheber sozialkritischer Illustrationen um die Jahrhundertwende große Beachtung und Popularität. Seit seinem Studium an der Pariser „Ecole des Beaux-Arts“ bewegte sich Forain in bedeutenden intellektuellen Kreisen der Seine-Metropole und pflegte Freundschaften mit einigen der bekanntesten Literaten und Künstler seiner Zeit.
Thema seiner in einem reduzierten, einfach erscheinenden Stil gefertigten Zeichnungen für satirische Magazine waren häufig gesellschaftliche Missstände, wobei auch die beißenden Bildunterschriften zumeist aus seiner Feder stammten.

L' Inconnu (Fuchs 1907)



Donnerstag, 7. Oktober 2021

Aubrey Beardsley


"Gebrauchsgraphik", Oktober 1932
 
Im Oktober 1932 widmete die renommierte Zeitschrift "Gebrauchsgraphik" auf Anregung Julius Klingers mit Aubrey Beardsley erstmals einem einzelnen und noch dazu lange verstorbenen Künstler eine ganze Ausgabe. Tatsächlich hatte Beardsleys Stil große Einflüsse auf die Arbeiten zahlreicher Illustratoren bis hin zum Erscheinungsjahr dieser eigentlich in erster Linie aktuelle Tendenzen thematisierenden Fachzeitschrift. 
Aufgrund dieses großen Einflusses findet Beardsley auch Aufnahme in diesen Blog, obwohl die kurze Lebensspanne (1872-1898) dieses genialen Zeichners nicht einmal den hier beleuchteten Zeitraum tangiert. Die Arbeiten "des Heers von Nachahmern" (H. K. Frenzel) reichten allerdings zumeist nicht annähernd an Beardsleys Niveau heran.
Kein Künstler (...) hatte so wenig Begabung für das Abzeichnen der Natur. Seine Gedanken waren es, die Beardsley umriß, und außergewöhnlich ist dabei die Akkuratesse, mit der er die stoffliche Umwelt, hatte sie sich erst in seinem Gedächtnis zu einem Konzept gefügt, mit einer einfachen Linie festhielt. (…) Beardsleys inneres Auge vermittelte ihm nicht nur eine scharfe Wahrnehmung von Details, sondern zugleich auch die Erkenntnis, wie ein komplexes visuelles Erlebnis in eine vereinfachte Form umzusetzen war.“ Aus einem Essay von Kenneth Clark in: Anton Friedrich (Hg.): Aubrey Beardsley. Zürich 1980

ebenda

Titelblatt der deutschen Ausgabe von 1919

Eine der bekanntesten Arbeiten Beardsleys aus obigem Titel

Montag, 27. September 2021

Franz Christophe

 
Schutzumschlag um 1920

Franz Christophe war ein überaus vielseitiger, talentierter und zeitweise vielbeschäftigter Illustrator. Dabei hatte der 1875 in Wien geborene und zunächst in München tätige Zeichner keine künstlerische Ausbildung genossen. Die Bandbreite seines Schaffens dokumentieren insbesondere seine zahlreichen Arbeiten in Zeitschriften wie beispielsweise „Münchner Jugend“, „Der Junggeselle“ oder „Lustige Blätter“. Darüber hinaus war Christophe u.a. auch als ausgezeichneter Buchillustrator tätig, wobei er insbesondere ansprechende Einbände gestaltete. Seit den späten 1920er Jahren schuf er jedoch vorwiegend einfache Titel preiswerter broschierter Unterhaltungsliteratur u.a. für den Berliner „Verlag moderner Lektüre“ und blieb dabei weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Christophe starb 1946 in seinem letzten Wohnort Berlin.

Illustration in einer Ausgabe der Münchner Jugend des Jahres 1898

Illustration aus Velhagen & Klasings Almanach 1921

Buchtitel, abgebildet in "Buch- und Werbekunst" 1932, H.1

Freitag, 24. September 2021

Lucian Jacquelux


Oktober 1932
 
Nach dem ersten Weltkrieg entwickelte sich „Le Sourire“ zu einem der typischen „Männer-Magazine" jener Jahre, vergleichbar mit La Vie Parisienne oder deutschen Pendants wie „Der Junggeselle“, „Der Reigen“ oder „Berliner Leben“. Der 1894 in Orléon geborene französische Filmregisseur Lucian Alexandre Jacquelux begann seine künstlerische Laufbahn in den 1920er Jahren zunächst als Illustrator vornehmlich solch erotischer Zeitschriften wie „Le Sourire“ oder auch „Eros“, wobei sich seine heiteren, originellen und eigenwilligen Arbeiten deutlich von dem in diesen „galanten Blättern“ vorherrschenden Stil abheben. Seit Mitte der 1920er wandte sich Jaquelux immer mehr dem Film zu, wo er naheliegenderweise anfangs als Bühnenbildner tätig war und seit 1930 auch als Regisseur arbeitete. Lucian Jaquelux starb bereits 1946.

Illustration im Magazin "frivolités" (o.J.) 

s.o.

dito

Mittwoch, 22. September 2021

Hans Rewald

 

In der Charlottenburger Joachim-Friedrich Straße erinnert ein „Stolperstein“ an den 1944 im Alter von 58 Jahren ermordeten Hans Rewald. Der Illustrator, Karikaturist, Texter und Werbegrafiker zählt zu den vielen oftmals weitgehend vergessenen Gebrauchsgrafikern, die während der Weimarer Republik in Berlin tätig waren. Seine Illustrationen finden sich allerdings eher selten in den zahlreichen Berliner Zeitschriften, häufiger hingegen in der renommierten „Münchner Jugend“. Rewalds Spezialität waren Karikaturen prominenter Stummfilmschauspieler der 20er Jahre, die in ihrem Duktus bisweilen ein wenig an die etwas später entstandenen Portraits von Hollywood-Stars des Italieners „Nino Za“ erinnern.

Pola Negri (Jugend 1927, H.1)

Lil Dagover (ebenda)

Samstag, 18. September 2021

René Prejelan

 
1906

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts finden sich zahlreiche Illustrationen René Prejelans in beliebten französischen Journalen wie „Gil Blas illustré“, „Le Vie Parisienne“, „Le Rire“ oder „Le Journal Amusant“. Sein Stil bewegte sich zu dieser Zeit zwischen Gerbault, Guillaume und Bac, ohne dass Prejelan an deren zeichnerische Virtuosität und Ausdruckskraft heranreichen konnte. Als Illustrator der zweiten Reihe zierten seine frühen Arbeiten eher selten Titel- oder Rückseiten der Magazine, wobei die besonders ansprechende Cover-Illustration der Nummer 14 von „Paris Vivant“ aus dem Jahr 1902 deutlich hervorsticht. Die Bandbreite seiner gestalterischen Möglichkeiten deutete Prejelan aber erst mit seinen Titeln für „Nos Loisirs“ an.
Nicht zuletzt durch die große Zahl seiner allgegenwärtigen Zeichnungen mit ihrer augenfälligen Signatur erlangte Prejelan bei der Leserschaft der diversen Zeitschriften einige Bekanntheit, so dass ihm sogar eine eigene Ausgabe der zweiten Serie der Broschüren-Reihe „Les Maitres Humoristes“ gewidmet wurde.
René Prejelan, der auch als Werbegrafiker, insbesondere als Plakatkünstler tätig war, starb 1968 im hohen Alter von 91 Jahren.  

Le Journal Amusant, August 1901

Le Journal Amusant, September 1901

1907

Samstag, 4. September 2021

Hans Reyersbach


Der eingebundene Korf
 
Zu Beginn der 1920er Jahre gab die Berliner Circusdirektorin Paula Busch, die auch schriftstellerisch tätig war und literarische Werke mitunter als Grundlage für ihre selbst verfassten „Manegenstücke“ nutzte, bei der eigentlich auf sehr ansprechende, insgesamt jedoch eher stereotype Circus- und Schaustellerplakate spezialisierten Druckerei Friedländer ihren Ansprüchen adäquate, modern gestaltete Plakate in Auftrag, die denen für Kabaretts, Varietés und Theater in der pulsierenden Metropole in ihrer künstlerischen Qualität nicht nachstanden.
Einer der ambitionierten Nachwuchsgrafiker, die hierzu die Entwürfe schufen, war Hans Reyersbach (1898-1977). Obwohl er nicht wie ursprünglich vorgesehen Kunst, sondern u.a. Sprachen studiert hatte (er beherrschte neben Deutsch Latein, Griechisch, Französisch, Englisch und später auch Portugiesisch) und zwischenzeitlich verschiedenen anderen Betätigungen nachgehen musste, setzte Reyersbach seinen Wunsch nach einer künstlerischen Laufbahn letztendlich durch.
Nach verschiedenen beruflichen und geographischen Stationen emigrierte Reyersbach 1940 mit seiner ebenfalls jüdischen Frau Margarete, einer Bauhaus-Absolventin, unter abenteuerlichen Umständen von Paris in die USA. Mit ihrer Kinderbuchreihe „Curious George“ („Coco, der neugierige Affe“) wurde das Ehepaar, das sich nun „Rey“ nannte, weltberühmt.
Die Abbildungen stammen aus einer 1923 in Hamburg unter dem Titel „Christian Morgensterns Grotesken“ erschienenen Auswahl von Lithografien zu Morgenstern-Gedichten.

Das Mondschaf

Das Nasobem

Mittwoch, 1. September 2021

Rudolf Großmann

 
Heft 6 1930

Der 1882 geborene Maler und Grafiker Rudolf Großmann war in den 1920er Jahren eng in die Berliner Kunstszene eingebunden, Mitglied der dortigen Secession und von 1928 bis zu seiner Entlassung im Jahr 1934 Professor an der Berliner Kunsthochschule. Einer seiner Förderer war Alfred Flechtheim, für dessen Kulturmagazin „Der Querschnitt“ Großmann Titelbilder gestaltete, Beiträge illustrierte und selbst einige sehr lesenswerte Artikel wie im Novemberheft 1934 „Zur Psychologie der Manege“ beisteuerte, worin er sich wie so viele Künstler der Circuskunst ausgesprochen zugetan erwies. Großmann, der auch für andere Zeitschriften arbeitete und Bücher illustrierte, galt den Nationalsozialisten als „entarteter Künstler“. Er starb 1941 in seiner Heimatstadt Freiburg.    

1930

Illustration aus "Der dürre Kater" von Anatole France, dt. München 1921

Pianist Wladimir von Pachmann - "Der Querschnitt" April 1930